Ein dichtes, mitreißendes experimentelles Rock-Epos...
07 · 01 · 2026
Ob Zu selbst erfreut wären, wenn dieses Bild heraufbeschworen wird, ist schwer zu sagen, aber an einem der ersten Klänge des Eröffnungstracks ihres neuesten Albums ist etwas leicht Unheimliches, da er mehr als nur ein bisschen wie das Surren von Hubschrauberrotoren klingt. Dass er an ein Schlüsselbild der ersten großen Nachricht des Jahres erinnert, wirkt wie einer jener seltsamen, aber treffenden alchemistischen Zufälle, die große Künstler manchmal hervorzubringen vermögen. Das italienische Trio Zu sind wahre musikalische Alchemisten. Ihr unverwechselbarer Jazz-Punk/Experimental-Rock-Sound nimmt Grundmaterialien (Saxophon, Bass und Schlagzeug) und verwandelt sie in etwas wunderbar Strahlendes; eine schwere, meditative, groovige und spirituelle Fusion, deren Formel nur ihnen gehört.
Während die Band ihr einzigartiges Handwerk seit ihrer Gründung 1997 derart intensiv betreibt, dass es schwer ist, genau zu bestimmen, wie viele Alben, EPs, Splits und Kollaborationen sie bislang veröffentlicht haben, ist ‚Ferrum Sidereum‘ so etwas wie ihr 15. Studioalbum. Erschienen auf Ulvers Label House Of Mythology, ist es ein monströses 80-minütiges Doppelalbum, übervoll mit mehr Ideen und Stimmungen, als die meisten Bands in einer ganzen Karriere unterbringen. Das hängt mit einem weiteren aktuellen Thema zusammen, das Zu auf ‚Ferrum Sidereum‘ bewusster ansprechen: dem viel diskutierten möglichen Einfluss von KI auf die menschliche Kreativität. Unabhängig davon, ob man — wie Zu selbst gesagt haben — der Meinung ist, „Maschinen und KI haben keine Spiritualität, sie können nicht schaffen“, liefern die 11 fesselnden Tracks von ‚Ferrum Sidereum‘ handfeste Belege dafür, dass der kreative Prozess eine schöne, metaphysische Praxis ist, deren imaginative Fähigkeiten etwas darstellen, das keine Maschine jemals erreichen wird.
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Das Spektrum zusammenhängender Ideen, die Zu hier zu vereinen vermögen, ist atemberaubend. ‚Pleroma‘ ist ein bemerkenswerter Höhepunkt. Es beginnt als bassgetriebene Meditation, führt dann himmlische Glöckchen, industrielle Elektronik und schließlich ein rhythmisch wildes Rock-Freakout ein — eine Reise, wie man sie in diesem Jahr kaum anderswo erleben wird. Es gibt außerdem zahlreiche Momente transzendenter Schwere, etwa ‚Golgotha‘, das emporragt wie der heilige Hügel, nach dem es benannt ist. Die Grooves der Band beweisen hier, dass sie jenseits all der rauschhaften, rhapsodischen Spiritualität auch so hart rocken können wie jede andere Band, vor allem in einigen wuchtigen, synkopierten Passagen, die fast wie Metalcore-Breakdowns wirken. Dann gibt es ‚A.I. Hivemind‘. Als wütende Widerlegung der fade kulturellen Nivellierung durch künstliche Intelligenz verdient dieses basslastige Monster es, als Weckruf gespielt zu werden, der den Kampf anführt, die ressourcenverschlingenden, Reichtum abschöpfenden KI-Datenzentren und ihre menschenfeindlichen Oberherren zu zerstören.
Es fühlt sich einfach richtig an, das so früh im Jahr zu veröffentlichen. Es könnte sogar die erste Neuerscheinung sein, die manche Menschen 2026 hören. Wenn dem so ist, welch mitreißende und implizit optimistische Erfahrung das sein wird. ‚Ferrum Sidereum‘ ist der Klang menschlicher Gehirne (und Seelen), die in einer Weise feuern, wie es keine Maschine je tun wird. Kreativität ist ein heiliger Akt, der solche Wunder hervorbringen kann, und die Vorstellung — wie sie allzu oft von unserer Minderheit ungewählter Tech-Eliten vertreten wird — dass ihre Plagiatsmaschinen gleichwertige Schönheit hervorrufen könnten, verdient es, mit Hohnlachen beantwortet zu werden. Öffne dein Herz für ‚Ferrum Sidereum‘ und erlebe, was es heißt, menschlich zu sein.
9/10
Text: Tom Morgan
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Ob die Zu selbst sich darüber freuen werden, dieses Bild heraufbeschworen zu hören, ist zwar schwer zu sagen; an einem der ersten liegt jedoch etwas leicht Unheimliches.