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Tiwa Savage – Das hier ist persönlich

Tiwa Savage – Das hier ist persönlich

      Die Queen of Afrobeats persönlich, Tiwa Savage, kehrt mit ihrem heiß erwarteten fünften Studioalbum zurück, führt dabei aber interessanterweise eine Klangpalette ein, die von ihrem von Fans verliehenen Beinahmen abweicht. „This Time It’s Personal“ hält, was der Titel verspricht; es wendet sich intimem Songwriting zu und wirkt zugleich wie eine Absichtserklärung. Der kühne und schöne Ansatz zeigt ihre Fähigkeit, Genres nach Belieben zu überbrücken.

      Das Album beginnt mit einer großen Balladen-Intro in „I’m Done“, und es ist sofort klar, dass wir uns in R&B-Gefilden bewegen, die traditionell geschichteten Vocals sind ein deutliches Zeichen. Im nächsten Track „Angel Dust“ zeigt Tiwa Rhythmusgefühl und setzt diesmal auf eine flüssige Produktion à la frühe Brandy-Songs.

      Die zuvor veröffentlichte Single „You4Me“ folgt, ein berüchtigtes Tamia-Sample bildet die Struktur des Songs. „So Into You“ ist clever in den Hook eingebettet, ein Flip, den die R&B-Vorfahren zu schätzen wüssten – sie macht ihn zu ihrem eigenen. Tiwas westafrikanisches Erbe geht nicht verloren; hier hören wir es erstmals: die hüpfenden Afrobeats-Drums springen gegen einen verträumten Gesang. Ebenso ist „On The Low“ eine sinnliche Machtnummer, sie holt den nigerianischen Kollegen Skepta dazu. Vier Tracks tief befinden wir uns auf einer emotionalen Reise, die die verschiedenen Facetten der Gefühlsausbrüche der Liebe erkundet.

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      Weitere Samples und Einflüsse treten hervor: „Holding It Down“ verkörpert Irv Gottis Akkorde aus Ashantis „Movies“, während „Twisted“ Teile von Marvin Gayes „Sexual Healing“ nutzt. Das Projekt wirkt fortwährend wie eine Ode an die R&B-Einflüsse ihrer Jugend, und in Verbindung mit ihrer Persönlichkeit hat sie ein passendes Fundament gewählt, um offen zu legen.

      Weitere Höhepunkte sind „10%“ – das Saxophon brodelt und die Acid-Jazz-Instrumentierung ergießt sich. Tiwa Savages rauchiger Ton trägt weiter zu dieser Mischung bei; es fühlt sich an wie ein whiskygetönter Track, den man in einer schummrigen Lounge genießen würde. Eine weitere Besonderheit ist „Scared Of Love“, ein Bedroom-Pop-Stück, roh und reduziert. Ebenfalls bemerkenswert: „Addicted“ bleibt schnell im Ohr; sie und Taves liefern sich ein Duell, in dem sie die Geschichte einer berauschenden Liebe erzählen.

      Das 15-Track-Projekt entfaltet sich mit „You’re Not The First (You’re Just The Worst)“. Es ist zugleich Weihnachtslied und Diss-Track; die Lyrics stehen im Gegensatz zum honigsüßen Gesang – Tiwa wirkt gestärkt und selbstsicher. Das Outro mit James Flauntleroy ist überraschend temporeicher als erwartet; die beiden harmonieren großartig und machen nur Platz für ein verrückt klingendes Harpejji-Solo.

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      Insgesamt enttäuscht das Projekt nicht; es bietet etwas völlig anderes als „Celia“ und „One Upon A Time“. Einige Tracks treten in den Hintergrund zurück und wirken im Vergleich zur stark charakteristischen Tracklist etwas flach. Das ist jedoch ein gutes Problem. Abgesehen von den Singles gibt es mehrere weitere hörenswerte Stücke. „This Time It’s Personal“ ist ehrlich, nachdenklich und schwankt zwischen den Höhen und Tiefen von Liebe, Sex und Beziehungen. Ein angenehmes Hörerlebnis mit einer gelungenen Mischung aus Spaß, Introspektion und Reife.

      7/10

      Text: Shanté Collier-McDermott

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