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Live-Bericht: Tortoise – Barbican, London

Live-Bericht: Tortoise – Barbican, London

      Clash Live in Zusammenarbeit mit WeAre8...

      

      

      

      

       02 · 12 · 2025

      

      

      

      

      

      

      

      In den letzten drei Jahrzehnten haben die multiinstrumentalen Mitglieder von Tortoise ein eigenes musikalisches Vokabular herausgearbeitet. Ihr Auftritt im Barbican im Rahmen des EFG London Jazz Festival zeigt diese Sprache in makelloser Detailtreue.

      Jeremiah Chiu und Marta Sofia Honer eröffnen und liefern eine eindringliche Darbietung modularer Synthesizer und Live-Bratsche, die stellenweise an Susanne Cianis bahnbrechende Buchla-Musik oder an den zeitlichen Puls von Global Communication’s1 4:31 erinnert. Feldaufnahmen von fließendem Wasser, mit Honers Pizzicato-Bratsche über Kreuz verwoben, werden durch Chius Labyrinth modularer Signalwege geleitet und über das makellose System des Barbican wiedergegeben. Das Set entfaltet sich als wundervoll realisierter Bogen — wiederholend, sich entwickelnd und zurückkehrend.

      

      Dies ist Tortoises erster Auftritt im Vereinigten Königreich seit über neun Jahren. Mit „Vexations“ von ihrem neu erschienenen Album ‚Touch‘ eröffnet, setzt der von der Gruppe vorangetriebene Musikstrang — so oft als „Post-Rock“ bezeichnet — Schlagzeug und Gitarre in ein eigenes kompositorisches Licht. Trotz dieses Etiketts zeigen Tortoise weiterhin eine genresprengende Bandbreite und vermeiden Versteinerung. Der Minimalismus von Reich, Riley und La Monte Young steht im Kontrast zum rauen 80er-Hardcore: Wiederholung als Architektur, Gitarren als lyrische Werkzeuge statt als Riff-Maschinen.

      Mit zwei Schlagzeug-Sets, zwei Vibraphonen und ständigem Instrumentenwechsel hüpft ihr Set über sechs Alben und stellt zugleich neues Material in den Vordergrund, das in diesem Jahr bei International Anthem erschienen ist. Von der neuen Musik wirkt ‚Promenade A Deux‘ besonders vollständig, als Marta Sofia Honer auf Geige hinzukommt, um die lang gehaltenen Elemente hinzuzufügen, die für den Aufbau des Stücks so wesentlich sind. TNTs ‚I Set My Face to the Hillside‘ erzeugt die begeisterteste Reaktion des Abends, während ‚Ten Day Interval‘ und der Abschlusstitel ‚Crest‘ die beiden emotionalsten Abschnitte sind und eine nahezu hypnotische Stase in der Barbican Hall erzeugen.

      

      Heute Abend erinnert außerdem die Chicagoer Gemeinschaft, die diese Band geprägt hat: Bei der kurzfristigen Absage des langjährigen Gitarristen Jeff Parker springt James Elkington nahtlos ein. Hinter Tortoises Erfindungsreichtum liegt ein ständiger Spieltrieb — das Gefühl von Musikern, die Ideen aufgreifen und weiterschicken. Nach drei Jahrzehnten entdecken diese Musiker weiterhin neue Ecken und Kooperationen und folgen einem Funken der Erkundung, wohin er auch führt.

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      Worte: Louis Borlase

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